
Reisebericht · Flitterwochen · 10 Tage · Serengeti, Sansibar · Guide: Adam
Es gibt Momente auf Safari, die man nicht ankündigen kann. Man kann nicht sagen: In zwei Stunden überquert die Herde den Fluss. Man kann nur warten. Und warten ist in der Serengeti keine verlorene Zeit — es ist die eigentliche Zeit.
Ein frisch verheiratetes Pärchen kam im September zu mir. Zwei Wochen zuvor hatten sie geheiratet. Er hatte mir vorher geschrieben, er hoffe, dass wir eine Überquerung sehen würden. Ich antwortete ehrlich: Ich kann es nicht versprechen. Aber ich weiß, wo wir warten müssen.
Wir fuhren am zweiten Tag früh los. Noch dunkel draußen, der Landcruiser warm, sie mit einer Thermoskanne Kaffee auf dem Schoß. Ich schob das Dach auf. Der erste Morgen in der Serengeti mit offenem Dach — das ist jedes Mal wieder neu. Die Luft anders. Die Stille anders.
Am Mara River parkte ich auf einem leichten Hügel, Motor aus. Unter uns, vielleicht dreihundert Meter entfernt, staute sich die Herde. Zehntausende Gnus, Zebras dazwischen, ein leises, kollektives Rumoren, das man mehr spürt als hört.
Er stand auf dem Sitz, Kopf durch das offene Dach. Sie saß und schaute. Keine Kamera. Nur schauen.
„Ich dachte, ich würde filmen", sagte sie später. „Aber dann hab ich es einfach gelassen."
Wir warteten anderthalb Stunden. Dann bewegte sich die Herde. Langsam zuerst, dann plötzlich — der erste Sprung ins Wasser. Und dann der Sog, dem sich tausende andere anschlossen, weil kein Gnu alleine überquert. Nur gemeinsam, im Chaos, im Mut der Masse.
Ich habe diese Überquerung vielleicht zweihundert Mal gesehen. Und ich stand an diesem Tag wieder aufrecht hinter dem Steuer und schaute.
Nach drei Tagen Serengeti fuhren wir nach Arusha, dann der Flug nach Sansibar. Ich begleitete sie nicht auf die Insel — das braucht es dort nicht. Sansibar ist eine andere Welt, die sich selbst erklärt: das Gewürzarchiv der Stone Town, das türkisfarbene Wasser im Norden, die Stille nach dem Muezzin-Ruf am frühen Morgen.
Sie schickte mir drei Tage nach ihrer Rückkehr eine Nachricht. Kein langer Text. Nur ein Satz:
„Adam, ich glaube, Tansania hat uns verändert."
Ich glaube, das stimmt. Es tut das meistens.
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